Follow

Was sind so eure Gedanken zum Thema Bahnzerschlagung? Alles Mist oder könnte sinnvoll sein? Unter der Prämisse, dass Bahnfahren möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht wird?

🚂🚃🚃🚃

Lange Auszüge aus Artikel 

(1/3)
> Nun verliert die DB von Jahr zu Jahr im Schienenmarkt Anteile an »Private«, also an Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVUs), die nicht zum Bahn-Konzern gehören. Diese kontrollieren inzwischen gut 40 Prozent im Nahverkehr und 50 Prozent im Güterverkehr. Die Anteilsverluste haben eine eigene Logik: Die DB AG erhebt immer höhere Entgelte für die Nutzung von Trassen, Bahnhöfen und für Energiebezug. Sie verdient dabei im Grunde dann optimal, wenn die überhöhten Nutzungsentgelte von den »privaten« EVUs bezahlt werden. Bezahlen dies DB Regio, DB Fernverkehr oder DB Cargo, gilt weitgehend »linke Tasche – rechte Tasche«. Für den Bahnkonzern gibt es somit die widersprüchliche Interessenlage; hohe Anteile der Konzerntöchter im Bereich Schiene sind sekundär. Es sprudeln mehr Gewinne, wenn die »Privaten« wachsende Marktanteile haben. Dann gilt: linke Tasche und rechte Tasche füllen sich.

> Hinzu kommt: Es gibt im System integrierter Konzern DB kaum Stimuli, die Schienen-Infrastruktur zu erhalten, auszubauen und zu optimieren. Im Gegenteil: Jede Weiche weniger ist Kostenreduktion und Gewinnplus. So gibt es seit Mitte der 1990er Jahre eine wahre Orgie des Infrastrukturabbaus: 19 Prozent Netzabbau, 50 Prozent weniger Weichen, die Gleisanschlüsse um 80 Prozent gekappt. Derzeit baut die DB-Tochter Schenker neue Logistikzentren – ohne Gleisanschluss! Die DB Cargo-Chefin will einen eigenen Logistikbereich etablieren – faktisch in Konkurrenz zur DB-Tochter Schenker!

Lange Auszüge aus Artikel 

(2/3)
> Kurz: Der Laden DB ist außer Rand und Band. Er wirkt auch in erheblichem Maß als Selbstbedienungsladen. Seit 1994 wurde die Bahnbelegschaft halbiert und der Wasserkopf verdreifacht. 2019 erhielten die gut 3000 Topmanager im DB-Konzern mehr als 420 Millionen Euro nur als Boni – also zusätzlich zu Grundgehalt, Dienstwagen, BC100 First. Mehr Mißbrauch gibt es nur beim katholischen Klerus.

Lange Auszüge aus Artikel 

(3/3)
> In dieser Situation spricht alles dafür, die Infrastruktur vom Konzern DB zu trennen und eine einheitliche Infrastrukturgesellschaft mit den genannten drei Bestandteilen zu bilden. Ob diese dann noch unter dem Dach der Holding segelt oder als gänzlich getrennte Gesellschaft agiert, ist sekundär. Eine solche Trennung ist mit fünf Vorteilen verbunden: (1) besserer Schutz von Netz und Immobilien, (2) Entsprechung der Realitäten (hoher Anteil der Nicht-DB-EVUs), damit Schluss mit der Willkür in diesem Bereich und Zielsetzung vereinheitlichtes Ticketing, (3) Transparenz der Finanzströme, (4) Hebel, um die Infrastrukturentgelte deutlich zu senken und so deutlich mehr Bahnverkehr zu ermöglichen und eingestellte Verkehre zu reaktivieren (Nachtzüge!), und (5) bessere Möglichkeiten für demokratische Einflussnahme. Die behaupteten Nachteile sind differenziert zu sehen: De facto ist das Netz längst getrennt; DB Netz schert sich einen Deut um die Bedürfnisse von DB-Töchtern oder »Privaten«. Der oft fatale Wettbewerb wird nicht durch diese neue Infrastruktur beschleunigt – es sind die Struktur des DB Konzerns selbst und EU-Vorgaben, die dies seit mehr als 20 Jahren begünstigen. Die Befürchtung von Arbeitsplatzverlusten ist absurd. Wer den Schienenverkehr verdoppeln will, benötigt dafür Tausende neue Jobs.

Neues Deutschland, Bundesausgabe vom Sa, 13.11.2021 - Seite 7
Link reiche ich nach, hab's online noch nicht gefunden

@tofuwabohu denke das ist eine schlechte Idee. Wir haben jetzt nicht wirklich eine lange Erfolgsgeschichte bei Privatisierungen vorzuweisen. Auch Beispiele aus dem Ausland zeigen das mensch dort mehr falsch als richtig machen kann. Wir sind uns glaube ich alle einig das Kapitalismus die Ursache sehr sehr vieler Probleme auf der Welt ist. Da habe ich wenig Hoffnung das er genau dieses lösen wird.

@maxheadroom @tofuwabohu Bahnfahren ist doch ohnehin Sozialismus 👨‍🎓 Die Zerschlagung der Bahn muss heissen: Individualzüge, Ausbau der Trassen auf mindestens drei Spuren in jede Richtung und Abschaffung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf allen Strecken.

@maxheadroom @tofuwabohu Ausserdem werden wir so diese leidige Maskenpflicht los

@tofuwabohu Es löst den Unsinn mit Spar/Flexpreis nicht auf, weil das alle privaten Bahnunternehmen machen werden. Gleichzeitig gibt es dann nicht mehr eine Bahncard, sondern man muss 10 Abos abschließen (vgl. Netflix, Prime, Disney+, etc). Also von Fahrgastseite sind schon die Primäreffekte katastrophal, Sekundäreffekte kann man sich in England anschauen, die sind auch schlimm

@tofuwabohu Wenn alles privatisiert wird, werden die strecken weniger werden. Das war bis jetzt immer und überall so.

Die modelle die gerade in deutschland diskutiert werden, beinhalten das die strecken weiter im staatsbesitz bleiben. Die strecken sind aber marode, also muss da sowieso viel geld reingepumpt werden. Die strecken, die nicht profitabel sind, werden nicht mehr befahren, oder nur noch minimal (falls es vertragsbedingung ist).

Ich kann mir 2 szenarien (für schiene staatlich, züge privat) vorstellen: Die privaten einigen sich auf einheitliche tickets & ticketpreise, es wird teurer, weniger züge fahren. Oder die privaten haben alle ihre eigenen tickets & preise und es wird sehr viel komplizierter bahn zu fahren, es wird teurer und es werden weniger züge fahren.

Und was passiert, wenn eine privatbahn pleite geht und niemand sie übernehmen will (weil es ja offensichtlich nicht profitabel ist)? Keine züge mehr in mecklenburg-vorpommern? Oder wird dann wieder verstaatlicht?

Das auslandsgeschäft der DB muss verkauft werden und die ausgaben pro kopf für den zugverkehr müssen mindestens verdreifacht werden: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/deutschland-ausgaben-schiene-steigerung-101.html. Dazu braucht es eine einmalige sehr große summe, um die versäumnisse der letzten jahrzehnte aufzuholen und auszugleichen: https://www.stern.de/reise/deutschland/das-desaster-der-deutschen-bahn—die-lage-ist-noch-viel-bedrueckender–viel-schlimmer–30456244.html.

@tastytea Danke für die Links!

Soweit ich weiß, läuft es auf vielen regionalen Strecken bereits so dass sie an private ausgeschrieben werden. Bei Strecken, die nicht wirtschaftlich sind, werden die privaten Betriebe (vom Staat? den Kreisen?) subventioniert. Da wird auch eine gewisse Taktung vorgeschrieben. Das klingt für mich grundsätzlich sinnvoll, wobei ich der Privatisierung nicht traue, die werden Schlupflöcher finden wodurch das Fahren weniger angenehm oder teurer (oder beides) wird. Zugegebenermaßen funktioniert es da wo ich es mitbekomme einigermaßen gut.

Die Trennung von Infrastruktur und Zugbetrieb erscheint mir sinnvoll, warum der Zugbetrieb von privaten übernommen werden muss, erschließt sich mir nicht.

Investitionen in die Infrastruktur sowieso, aber dafür könnte eben auch das Auslandsgeschäft verkauft werden und nicht die Regionalzüge.

Am schnellsten negativ spürbar wären denke ich unterschiedliche Ticketsysteme. Wenn das nicht einheitlich wird, wird Zugfahrten planen deutlich umständlicher.

@tofuwabohu Wenn die privatbahnen eh bezuschusst werden müssen und ihnen vorschriften zur taktung gemacht werden müssen. Warum dann privatisieren? Das erschließt sich mir nicht.

Infrastruktur und zugbetrieb sind ja schon innerhalb des unternehmens getrennt. Warum müssen das 2 unternehmen sein?

@tastytea Und wer fährt dann in die Pampa, wo es gar nicht rentiert? @tofuwabohu

@tastytea
> Warum dann privatisieren? Das erschließt sich mir nicht.

Mir auch nicht. Vermutlich um die FDP ins Boot zu holen.

> Infrastruktur und zugbetrieb sind ja schon innerhalb des unternehmens getrennt. Warum müssen das 2 unternehmen sein?

Sie könnten z.B. unterschiedliche Rechtsformen habe. Afaik konnte Mehdorn u.a. deshalb so viel kaputtsparen, weil die Bahn als AG für den Börsengang bereitgemacht werden sollte. Die EU schreibt hier eine Trennung vor (EU Richtlinie 91/440/EWG) und dass die Geschäftsführung unabhängig ist (was der Grund für die Pseudoprivatisierung in den 90ern war).
Wenn das Ganze in Gesamtheit nicht gewinnorientiert wäre, wäre es wohl egal. Da es aber wegen des EU-Gedönses nicht möglich ist, die Bahn wieder als "richtigen" Staatsbetrieb einzusetzen, macht eine Trennung denke ich Sinn, um die Risiken strikter zu trennen. Da bin ich aber auch nicht sicher, was ein Grund war, warum ich hier mal gefragt hab.

@tofuwabohu Es gibt zwischen Zugebtrieb und Infrastruktur von eine ganze Menge Bereiche. Wohin denn damit? Intervention, Rettung, Feuerwehr. Zugsicherung und Zugleitung. Trassenvergabe und Fahrplan usw

Ne, macht einfach keinen Sinn. @tastytea
@tofuwabohu

Dazu: Jede private Bahngesellschaft braucht einen Wasserkopf... (tschuldigung, Management, Leitung, Direktion).

Und jede Bahngesellschaft braucht ihre Werkstätten und Abstellfelder.

Alles also vervielfachen? Das kann ja wohl kaum sinnvoll sein.

@tastytea
@tastytea Und das Personal ist noch nirgends erwähnt. Das mit dem Billig-Personal kann nicht funktionieren. Der Bahnbetrieb ist hoch reglementiert und Zugfahren kann nicht einfach jeder. Die Ausbildung ist anspruchsvoll und mit Billig-Löhnen geht das halt nicht.

Bahn ist eben nicht Bus.

@tofuwabohu

@tofuwabohu Selbst wenn nur DB Fernverkehr privatisiert wird, wird es ein Desaster. Es wird überall zu Kosteneinsparungen kommen, der sowieso schon schlechte Service für mobilitätseingeschränkte Menschen wird noch schlechter, die Pläne, wieder mehr Fernverkehr in die Fläche zu bringen werden hinfällig und bei neuen (kostenintensiven) Fahrzeugen wird die Sitzplatzdichte auf Flixtrain-Sardinenbüchsen-Niveau hochgeschraubt

@bodems
> die Pläne, wieder mehr Fernverkehr in die Fläche zu bringen werden hinfällig

Ich war irgendwie davon ausgegangen, dass bestimmte Strecken mit vorgegebener Taktung ausgeschrieben werden, aber keine Ahnung, wo ich das her habe. So genau sind die Pläne vermutlich noch nicht bekannt, aber stimmt schon, wenn der Verkehr wirklich komplett privat ist, kann das natürlich nicht vorgegeben werden und nur profitable Strecken werden befahren.

@tofuwabohu Zugegeben hab ich keine Ahnung was wirklich geplant ist. Aber selbst wenn der Fernverkehr wie der Nahverkehr ausgeschrieben wird, wird es kacke. Sieht man gerade gut an der Pleite von Abellio. Und die Löhne wird es auch drücken

@Halogi Ich kenn keine.

Japan wird immer hochgehalten, aber da gibt es wohl auch deutlich andere Voraussetzungen (u.a. wurden wohl extra Menschen an Strecken angesiedelt und es gibt dicke Bezuschussungen an die Betriebe. Kommt also viel Geld vom Staat, funktioniert unterm Strich aber gut).

Außerdem dieses Beispiel (Zweckverband Schönbuchbahn), wobei das auch nicht wirklich für Privatisierung spricht, weil der Verband von Landkreisen betrieben wird.
de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B

@tofuwabohu Weiß micht ob man das vergleichen kann, aber unsere Verkehrsbetriebe sind eine AG und die besten in Deutschland. Vermutlich funktioniert es im Kleinen ganz gut.

@tofuwabohu Effizienter Eisenbahnbetrieb funktioniert nur, wenn Infrastruktur und Verkehr laufend aufeinander abgestimmt werden können. Die zu trennen ist absolut kontraproduktiv; Ich wäre für eine vollständige Wiederverstaatlichung.

Die bereits bestehende Trennung in Subunternehmen der DB AG (jeweils mit eigenem Haushalt) führt bereits dazu das ganze Bahnhöfe vergammeln weil das Instandhaltungsbudget ausgeschöpft ist, von größeren Investitionen für den Betrieb (z.B. ein Containerterminal für KV) ganz zu schweigen.

@elomatreb Was ist KV? Kombinierter Verkehr?
Klar, richtige Wiederverstaatlichung wäre gut. Geht aber nach aktuellem EU-Recht nicht und ich habe 0 Hoffnung darin dass sich das ändert.

@tofuwabohu Ja, KV = Kombinierter Verkehr (also Strecke per Zug und nur die erste bzw. letzte Meile per Straße).

Verstaatlichung ist wahrscheinlich in der Tat kurzfristig unrealistisch, aber der Staat kann natürlich schon mal mehr Geld in die Strukturen stecken als das bisschen was es aktuell gibt. Wunschtraum: Bahnverstaatlichung, aber auf europäischer Ebene durch Fusion der ganzen nationalen Betriebe

@elomatreb Na ich weiß nicht, ob ich das der EU zutrauen würde. Aber vollständige Interoperabilität wäre schön.

In die Strukturen investieren - ja, bitte. Und auf Wunschträume kann ja zumindest hingearbeitet werden, auch, wenn sie unerreichbar sind/scheinen.

@tofuwabohu Interoperabilität haben wir schon (zu großen Teilen zumindest), du kannst heute Züge mit der gleichen Lokomotive quer durch Europa fahren, ohne dass umgespannt werden muss oder das per Staatsvertrag speziell geregelt ist (sofern der Lokführer entsprechend ausgebildet ist sogar ohne Personalwechsel). Technologien wie ETCS sind europäische Standards und werden sehr allgemein für Neubauten verwendet, sogar im nichteuropäischen Ausland.

@tofuwabohu , die komplette Infrastruktur (inkl. DB Energie) sollte in eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft überführt werden. Ziel ist ja, die allermeisten Menschen mit Infrastrukturmaßnahmen zu erreichen. Ob dann on Top das eine oder andere Unternehmen noch zusammen gelegt werden muss, ist zweitrangig.

@tofuwabohu 👍 Der Vereinten Förderation der Länderbahnen gefällt das!

Sign in to participate in the conversation
Mastodon

Subversive.zone ist eine linke, antiautoritäre Mastodoninstanz.